01 Juni

Menschenkraftwerk

Der anpreisende Chor der erneubaren Energiequellen schweigt schamhaft über eine, auf der Hand liegende Ressource: menschliche Muskulatur. Dieses Schweigen lässt sich mit mehreren Argumenten erklären. Aus der Geschichte kennt man, wie Menschen misbraucht wurden als sie ihre Kräfte für minderwertige Arbeit einsetzten. Mit der technischen Entwicklung wurden immer mehrere Aufgaben an Maschinen weitergegeben, welche die Arbeit dann schneller und besser ausgeführt haben. Die auf diese Weise gewonnene Zeit und Energie erschien in der Gesellschaft in Form von Wohl und Bequemheit. Deshalb wäre es völlig ungewohnt und eigentlich unlogisch, wenn diesmal die Menschen den Maschinen dienen sollten. Eine solche Entwicklung der Dinge wurde sicherlich als Rückfall betrachtet und entspricht dem heutigen technologischen Optimismus nicht.

Das Fahrrad ist der einzige Mechanismus, wo das Menschenkraftwerk als salonfähig betrachtet wird. Das Velo ersetzt andere Vehrkehrsmittel für kleinere Strecken und damit zeigt es ein wesentliches Sparpotenzial sowohl für individuelles wie für staatliches Budget auf. Neben dem ist es sehr eng mit unserem Begriff über Freizeit und Gesundheit verknüpft. Nun ist es heute noch unvorstellbar, dass mit einem halbstündigen Treten auf einem Indoor-Bike der tägliche Stromverbrauch eines Haushalts teilweise erzeugt wird.

Auch wenn es heute noch schwer vorzustellen ist, kann diese Art von Energieherstellung unsere Zukunft prägen. Die Geräte, welche einen Menschen umgeben, werden immer kleiner, aber brauchen trotzdem Strom. Solang dieser nicht unmittelbar aus dem Körper zu gewinnen ist, wird es nötig sein, ihre Akkus regelmässig aufzuladen oder die Batterien zu wechseln. Winzige Mengen von Elektrizität, die ziemlich leicht manuell herzustellen ist aber zusammengezählt hunderte von Megawatts aus dem Stomverbrauch eines Landes ausmacht. Handys und Laptops mit Kurbel, Taschenlampen mit Dynamos, mechanische Uhren könnten als erster Schritt entwickelt oder wiederentdeckt werden. Später kann vielleicht sogar die Beleuchtung des ganzen Hauses direkt vom Besitzer hergestellt werden: dazu braucht man nur Mechanismen mit guter Übersetzung und zuverlässige Akkus. Neben Solarzellen und kleine Windturbinen werden im Keller vielleicht auch bizarre Indoor-Bikes stehen.

Würde sich diese Entwicklung in Haushaltungen verbreiten, würden der Staat und die Firmen nicht mehr so abhängig von Energieressourcen oder könnte diese für die Industrie  und öffentlichen Dienstleistungen wie Zugverkehr, Forschung, Bildung usw. frei geben und auch in einer zusammenbrechenden Wirtschaft eine Leistung aufgezeigt werden.

Nun ist das Menschenkraftwerk leicht zu missbrauchen. Die Szenen von grossen Räumen mit tausenden von Leuten, welche Elektrizität produzieren ist noch nirgendwo zu sehen und wird auch kaum vorkommen. Aber wenn der Herrsteller und der Verbraucher solcher Energie nicht derselbe ist, wächst das Unrecht in der Gesellschaft.

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21 April

KVA

Kehrichtsverbrennungsanlagen sind Konjunkturprodukte. Ihre Funktion besteht daraus, alles zu beseitigen, was die Wirtschaft schon vom Anfang an als Müll kennzeichnet: Verpackungen und Waren mit extrakurzem Lebenszyklus (wie etwa Modeprodukte, Marketinggegenstände oder Waren vom sehr schlechten Qualität). Selbstverständlich vernichten sie auch Reste aus dem Abwasserreinigungsprozess oder aus industriellen Aktivitäten; hauptsächlich werden sie aber mit Müllsäcke aus den Haushalten gefüttert.

Zum ersten Blick ein sauberes Geschäft: KVAs transformieren in Energie den Abfall, welcher sowieso produziert wurde. Grundwasser, Boden und Luft werden nicht durch Mülldeponien verpestet und das Wohlfühlen der Bevölkerung wird versichert. Die Gemeinden, welche so einen Unternehmen haben, können gut denken: sie hätten zwei Fliegen mit einen Schlag erwischt: Abfallprobleme beseitigen und warmes Wasser und/oder Elektrizität gewonnen. Wer aber heute eine Müllverbrennungsanlage plant, muss eine Frage seinem/ihrem Gewissen stellen: wird die Investition nicht die Inertia der heutigen Müllproduzieren Wirtschaft  steigern? Denn KVAs erfüllen eine Nische der Wirtschaft. Ihres Rohmaterial ist Abfall und sie brauchen eine konstante Menge davon, um produktiv und profitabel zu bleiben.

In Industrieländern besteht die Haushaltmüll hauptsächlich aus Verpackungen. Waren werden eingepackt, um 1.) transportiert werden können; 2.) ihre Qualität zu bewahren; 3.) von anderen Waren physisch und visuell getrennt zu werden; 4.) attraktiv gemacht zu werden und 5.) Verbrauchinformationen zu liefern. Viele diese Funktionen werden übertrieben erfüllt: einige Waren werden mehrmals um- und verpackt, bis sie zu Endbenützer geraten; sind mit Werbematerialen überbelastet oder entsprechen unnötigen oder fiktiven gesundheitlichen Vorschriften um die Konsumenten zu beruhigen. Eine solide Verpackungsanlage hilft jeder Firma ihre Waren auf einer grossen geographischen Fläche zu verteilen, auf mehreren und verschiedenen Märkten präsent zu sein und dadurch wachsen und ihre Wert zu erhöhen. Diese Stabilität oder Mehrwert „nebenproduziert“ aber auch sehr viel Abfall. Diese sind eigentlich Ressourcen, welche sinnvoller verbracht werden könnten, wie in einer KVA in warmes Wasser oder Elektrizität umgewandelt zu werden.

Verpackungen sind für die meiste Leute die Verkörperung der Umweltverschmutzung, der Naturfeind No.1, denn sie begegnen diese täglich und müssen sogar für ihre Entsorgung meistens bezahlen. Eine Reduzierung dieser Menge vom Abfall könnte deshalb gut empfangen und leichter durchgeführt werden.

Durch solche Massnahmen wird der Abfallsack aus dem Haushalten zwar nicht verschwinden, aber seltener in Container geworfen und vielleicht werden die grosse Mühlkraftwerken auf unteren Grenzen ihrer Kapazität funktionieren. Investieren in kleineren, lokalen KVAs scheint zwar Luxus zu sein, aber – wenn dies mit anderen, umweltfreundlicheren Methoden von Energieherstellung (Biomassenkraftwerken mit Haushaltresten, Wind- und Solarenergieanlagen, geothermische Energie usw.) ergänzt könnten eine lebensfähige Alternative zu den grossen Müllkraftwerken werden.

13 März

Linke Hand – rechte Hand

Durch die Thematisierung der Umweltschutz in breiten der Bevölkerungskreisen werden immer neue Energiesparmethoden zur Tageslicht kommen. Mein Lieblingsbeispiel ist der Wasserhahn: in vielen alten Gebäuden gibt es immer noch einen separaten Hahn für warmes und für kaltes Wasser: an der linken Seite, neben den Gläser für Zahnpaste und –bürste steht der für das warme, an der rechten Seite, neben der Seife steht der für das kalte Wasser. Möchte man sich die Hände waschen, greift man nach der Seife und bleibt ihm die linke Hand frei. Damit kann man ganz gemütlich den Zapf für warme Wasser erreichten, für den anderen muss man aber quer über dem Wasserhahn fahren, was ziemlich mühsam ist. Würde man den Platz für die Seife wechseln, könnte man kaltes Wasser für Händewaschen verwenden und dadurch Energie sparen, CO2 reduzieren usw.

Hat es überhaupt einen Sinn, dafür zu sorgen, wie man umweltbewusst mit seinem eigenen Haushalt umgeht? Natürlich hat es. Auf der eine Seite wird es tatsächlich Energie gespart, wenn man eine Pulli anzieht statt die Heizung hinaufzuschrauben,  Biomüll getrennt lagert, für Einkauf die Taschen mitbringt und nicht immer wieder neue Nylonsäcke kauft.

Nun gibt es eine andere Facette des umweltbewussten Haushaltes: sich von einer Art der Bequemheit abzugewöhnen. Vielleicht wäre dies sogar wichtiger, wie direkte Sparungen, weil es um eine Änderung der gesellschaftlichen Denkweise geht.

Bequemheit ist ein relativer Begriff. Früher hat es vor allem die Verwöhnung der Körper bedeutet: fliesendes Wasser in der Wohnung statt es mit Eimer vom Brunnen oder von der Quelle bringen; zentrale Heizung statt Holz hacken, Feuer machen und die Asche täglich entsorgen, Im Haus einen Klo haben statt im kältesten Winter auf die Retirade hinter im Hof gehen usw. Heute ist der Begriff eher ein Synonym vom Zeitsparen: Tiefgefrierens, Kaffeemaschinen, Breitband-Internet. Diese Arten von Bequemheit haben in den letzten zwei Jahrhunderten die konsumorientierten Wirtschaft unterstützt und damit zu einem beispiellos grossen Belastung der Umwelt geführt. Diese ökonomische Fussabdrücke sind für jeder bekannt und in jedem erwecken sie Sorgen.

Viele Ökonomen behaupten, dass der Ziel der wirtschaftlichen Aktivität eigentlich das Wohlgefühl des Menschen ist, und es ist nicht selbstverständlich, dass dieses Gefühl durch vielen Waren eingelöst wird. Wer über wenigere Gegenstände verfügt, schätz sie höher, wer weniger isst, nimmt den Geschmack das Essen intensiver wahr. Vielleicht steht bereits eine neue Vorstellung über Bequemheit an der Schwelle, welche mehr Wert dem psychischen wie dem körperlichen Wohlgefühl zuschreibt. Wenn dies nicht nur eine Modesache wird, kann vielleicht sogar eine neue Ökonomie auf umweltbewusste Leute aufgebaut werden.

25 Februar

Umweltmodisch

Die schweizer Zeitschrift Beobachter von der letzte Woche berichtet über eine Frau, die sich „furchtbar aufgeregt" hat wegen Nicht-Teilnahme einiger Leute an der Sensibilisierungsaktion „Licht aus" vom 8. Dezember. Und er berichtet auch über einen Mann, der aus Trotz an jenem Tag seinen Tag mit 500-Watt-starke Scheinwerfer beleuchtet hat. Seither der Klimawandel um Schlagzeilen sorgt, werden immer mehrere Leute einen Weg suchen, auf ihre Art und Weise den zu bekämpfen und damit ist das umweltbewusstes Leben von einem Tag zum anderen eine Strömung in der Gesellschaft geworden. Es ist aber auch ganz natürlich, dass jede Modewelle eine Gegen-Modewelle verursacht. Jeder hat eine Meinung über Klimawandel und Umweltschutz, nur schade ist, dass diese als Mittel für das Aufzeigen seiner/ihrer Individualität geworden ist.

Die ganze Geschickte der Menschheit wurde von dieser „Ich bin dagegen“-Mentalität geprägt und dadurch zu grossen Leid und Qual geführt. Der einfachste Weg zur Selbstidentifizierung ist jemanden zu finden, wer man nicht ist, und dann dieser Vergleichsperson oder –gruppe schlimmen Eigenschaften zuschreibt. Diese individuelle psychologische Technik wirk auch als Klebematerial jeder Gesellschaft – zum Glück, heute immer weniger. Manche reden über eine Identitätskrise der westlichen Gesellschaften: sie meinen, es fehlten die gemeinsame Ziele. Der Klimawandel bietet die Möglichkeit, nicht gegen einander, sondern gegen die Phänomen gemeinsam aufzutreten. Nicht etwa von oben gezwungen, weil „eine [staatliche] Limitierung des persönlichen Energieverbrauchs, torpediert nur den guten Willen und verleitet die Leute zum Betrügen“ wie Beobachter meint.

Es bedeutet aber noch lange nicht, dass Leute, die grosse Schaden der Umwelt verursachen, nicht verurteilt werden sollten. Ganz im Gegenteil. Es werden nämlich immer wieder Leute geben, welche den Verzicht Anderer auf umweltbelastender Vergnügen ausnützen, und damit den Sinn solcher freiwilliger Aktionen in Frage stellen. Jäger, welche ein anderes Land besichtigen, gefährdete Vögel zu erschiessen oder Köche, welche solches Fleisch anbiten; Unternehmer, welche ganze Wälder ausfallen lassen ohne sich um Neubepflanzung zu kümmern; Firmenbesitzer, welche giftige Materialen in die Natur herauslassen; Politiker, welche wegen ihre persönliche Ziele einen umweltbelastenden Initiative zulassen, wenn es wenigere Schaden verursachende Alternativen gibt sollten mit ihren ganzen Vermögen und ihrer Freiheit für die Schaden verantworten. Es ist natürlich schwierig den Bösen finden, denn es ist oftmals interpretationsfrei, welcher Tat welche Einflüsse an die Natur hat.

Die Natur kennt keine Rechte und keine Ethin, da diese menschliche Erfingungen sind. Deshalb kann sie sich am Gerichtshof nicht verteidigen und braucht einen startken Anwalt. Zu dieser Zeit nur der Staat hat die Machtposition, die freiwillige Bewegung der Bürger zu unterstützen und Umweltverbrecher (sogar aus ihrer eigenen Personal) in Namen eines grösseren Gutes verhindern, weitere Schaden zu verursachen.

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17 Februar

Random Act of Kindness?

In den Vereinigten Staaten feierten diese Woche die Altruisten: die Random Act of Kindness Week setzt viele Leute in Bewegung, einem Mitmenschen zu helfen. In diesem Zeitraum tut man Anderen einen Gefallen, leistet Hilfe oder ist einfach lieb und aufmerksam. Es scheint kein Zufall zu sein, dass dieses Ereignis ausgerechnet in den USA stattgefunden hat, welche immer noch das mächtigste Industrieland ist und wo die Kluft zwischen den Reichen und den Armen so tief ist. Es braucht eine offizielle Gelegenheit um den Gottverlassenen zu helfen und dann wieder in den Nahkampf an den Arbeitsmarkt einzusteigen.

Noch nie wurden so viele Ressoursen für das Wohlfühlen der Menschheit verbraucht, wie in unserer Zeit. Als Ergebnis benehmen sich die Leute einander gegenüber freundlicher und weniger blutsüchtig, wie sonst in der Geschichte. Es ist trotzdem eine Frage, ob wirtschaftliche Sicherheit und Altruismus in der Gesellschaft im Zusammenhang stehen? Es ist logisch vorauszusetzen, dass jemand mit einer guten Arbeit und zufriedenstellendem Lohn mit den Mitmenschen harmonisch auskommt, sogar bereit ist, auf einen Teil seines/ihres Gehaltes oder seiner/ihrer freien Zeit zugunsten anderer zu verzichten. Viele Religionen und einige Gesellschaftstheorien gehen aber davon aus, dass dieser Zusammenhang nicht so prägend ist oder überhaupt nicht existiert und sagen, der Mensch sei von Natur aus gut, falle nur schlechten Einflüssen zum Opfer.

Menschenliebe ist ein Bestandteil des Zustandes „Europäer zu sein“ und die Hintergrundphilosophie aller Institutionen und Organisationen in dieser Gegend. Dieses Gefühl versucht man auf der ganzen Welt zu verbreiten, um Völkermord, Sklaverei, Kinderarbeit, Hunger und Erniedrigung zu vermeiden. Grosse Summen werden jedes Jahr für Projekte ausgegeben, welche den Zweck haben, dieses Gefühl in der Gesellschaft zu verbreiten. Sogar das Militär, das frühere Mittel der staatlichen Unterdrückung, wird immer wieder in humanitäre Aktionen geschickt.

Eine der wichtigsten Fragen der näheren Zukunft ist, dass dieser, mit viel Mühe und Geld aufgebaute Altruismus haltbar und für Reaktionen auf eine Krisensituation entscheidend wird? Ob im Falle eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs oder in einer globalen Katastrophe die Mitglieder der Gesellschaft mit (und für) oder gegen einander auftreten werden? Denn in solchen Fällen ist der Philantrop in den Menschen nicht nur eine Woche lang, sondern für mehrere Generationen gefragt.

21 Januar

Sip Sip

Die Angst vor dem Klimawandel stützt sich meistens auf rein theoretischen Erklärungen. Deshalb scheinen alle wissenschftlichen Beweisene sehr wichtig zu sein. Deshalb ist es zu befürchten, dass alle Massnahmen, welche die Leute vonehmen, sind nur Modesache. Vielen fällt es schwierig, wegen Überzeugung aufs Auto zu verzichtern. Wenn auf der einen Seite Fersehbilder über schmelzende Gletscher und eine gemütliche Frühlingswärme, auf der anderen Seite die gewöhnliche und gemütliche Autofahrt in die Arbeit stehen, wird man sich doch die zweite Variante gönnen. Man sieht und spührt keinen direkten Zusammenhang zwischen den zwei Sachen.

Es wäre aber ganz ungewöhlich, wenn die Beziehung sich bestätigen lassen würde – z.B. dadurch, dass man einen kleinen Teil der Abgase wieder in den Luftraum des PKWs zurückführen würde. Nicht die ganze Menge – keine Rede von Vergiften der Autofahrer – nur so viel, dass man mit der Zeit den Geruch spührt und leicht Kopfweh bekommt. Es sollte nicht heimlich passieren. Jeder Autofahrer und Mitfahrer sollte wissen, dass ein Teil davon, was ihr Auto verbrennt, in ihren Lungen zurück kommt. Vielleicht wäre dann der Klimawandel ihnen auch kein abstrakter Begriff.

 

13 Januar

Fliegen nach Antarktis

Diese Woche landete zum ersten Mal ein Passagierflugzeug auf der Antarktis, damit wurde die Strecke zwischen Tasmanien und dem Siebten Kontinent für Linienflugzeuge eröffnet. An Bord war der weltweit bekannteste australische Politiker, Peter Garrett, ehemaliger Rockmusiker, heute Umweltminister. Das Flugzeug soll den Forschern den Weg zu ihrer Basis verkürzen. Es ist bekannt, dass durch internationale Abkommen die Antarktis für jede wirtschaftliche Aktivität ein verbotenes Land ist, sie bleibt nur für die Forschungen zugänglich. Daten für z.B. Erdgeschichte und Biologie werden von verschieden Gruppen von Wissenschaftlern gesammelt, da hier die Landschaft vor fremden, menschverusachten Einflüssen noch relativ geschützt ist.

Obwohl das Linienflugzeug nur diese Leute und (noch) keine Touristen transportiert, wurde mit ihm auch diese Ecke der Erde in das globale Verkehrsnetz eingegliedert. Damit wurde die letzte terra incognita, welche auf den meisten Weltkarten ganz unten, in Form eines weissen Streifens dargestellt ist, theoretisch zugänglich und die Sucht nach Geschwindigkeit im Land der Stille eingeführt.

Die Ereignisse aus dem letzten Jahr um den Nordpol herum (besser gesagt, unter ihm) lassen die Frage offen, warum ein regelmässiger Flug zum anderen Ende der Welt nötig war. Steckt dahinter der erste Schritt an Kolonialisierung der Antarktis? Oder ist es nur ein lohnendes Unternehmen der australischen Regierung, den Passagierverkehr zu übernehmen? Oder ist es doch nur eine freundliche Hilfe von Peter Garrett für Filmstäbe, welche immer wieder spannende Naturbilder in unsere Stuben bringen? Das lässt sich noch nicht entlarven.

Eines ist aber sicher: letzte Woche ist ein weltgeschichtliches Ereignis passiert. Dem letzten, bis jetzt nur mit einzelnen und individuellen Lösungen erreichbaren Gebiet auf der Erde wurde einen Fahrplan gegeben. Damit wurde die Antarktis vierundhalb Fliegstunden nahe gebracht und auch das Gefühl der Enge auf der Welt hat ein bisschen zugenommen. Schade.

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06 Januar

100

Wahrscheinlich wird man es nicht erfahren, ob der Zufall oder das Spiel einiger Finanzleute mit ökonomisch-apokalyptischem Denken ergeben hat, dass der Rohölpreis erst am ersten Geschäftstag des Jahres 2008 über 100 Dollar gestiegen ist. Es ist allerdings gut, dass künftige Wirtschaftsstudenten sich nicht eine allzu komplizierte Zahl einprägen müssen und das Datum könnte nicht nur für Fachleute, sondern auch für Andere als Wasserscheide gelten.

„Der negative Effekt des teueren Rohöls ist in den Schwellenländern um ein Vielfaches grösser – und wirkt erst dann auf die Schweiz zurück, wenn diese Länder unsere Produkte nicht mehr kaufen können.“ – zitiert die NZZ am Sonntag den Geschäftsführer der Erdölvereinigung Schweiz.

Der Artikel argumentiert dafür, dass hoher Erdölpreis für wirtschaftliches Wachstum der Schweiz sorgt, denn er bringt die Nachfrage nach sparsamen und kostbaren Technologien mit. In diesem merkantilistischnahen Blickwinkel wird das Land als Exportmacht dargestellt, welches seinen Profit aus dem Verkauf von Produkten einheimischen Wissenskapitals macht. Wären die Rohstoffe im letzten Jahr nicht so teuer, hätten sich viele internationale Unternehmen nicht dazu gezwungen gefühlt, dass sie nach alternativen und sparsamen Energiequellen suchen und dadurch die Entwicklungen solcher Technologien beschleunigen. Es scheint der erste Schritt entgegen einer Wirtschaft nach der Ära des Erdöls zu sein. Gleichzeitig aber verbreiten sich in den „Schwellenländern“ auch die traditionellen Herrstellungsmethoden, welche dafür sorgen, dass die Weltwirtschaft seit Jahren ständig wächst – auch die Teile der hochgelobten energiesparenden Geräte werden in China oder Indien produziert.

Logisch wäre, dass dieser Überschuss in umweltfreundlichere Technologien investiert werden. Sie sind aber unerwünscht, solange sie teuer sind. Die Unternehmer in den Entwicklungsländern kämpfen täglich mit Konkurenz, Bürokratie und Unsicherheit. Sie können sich nur dann umstellen, wenn es nicht allzu viel Geld braucht. Die Schweiz profitiert kurzfristig aus ihren Erfindungen und die Kosten, welche er dafür verlangt, scheinen vielleicht für die Herrsteller fair. Sie werden aber erst dann wirklich umweltfreundlich, wenn sie den Preis herunterbringen und die Technologien weltweit erreichbar machen.

30 Dezember

Wachstum aus Wachs

Den Grund für die Not der wirtschaftlichen Wachstum ist ziemlich einfach zu beschreiben, aber es ist viel mehr komplex, dass man es in einen kurzen Text – oder in irgendeiner Text – zusammenfassen könnte. Einerseits wird es immer mehr Leute geben, welche eine Arbeit, ein Lohn und kaufbare Lebensziele haben möchten. Andererseits werden neue Produktionstechnologien immer mehr Arbeitskräfte ersetzen. Das Gleichgewicht kann nur mit ständiger Verbreitung aufrecht gehaltet werden. Der schweigende Dritte ist die Natur, welche bis jetzt gar nicht als anwesend wahrgenommen wurde.

Es braucht eine Erklärung, warum die Wirtschaftswachstum der einzige Weg für die heutige politische Systeme ist. Noch nie haben so viele Leute an der Erde gelebt und noch nie hat so ein grosses Prozent der Menschheit so eine relativ gute Lebensqualität gehabt, wie in unserer Zeit. Obwohl auch heute sterben Viele verhungert oder ausgetrocknet, die Mehrheit ist ernährt. In einige Regionen der Welt – Nord-Amerika, West-Europa – wurde von der Hungernot sogar mehr als hundert Jahre nichts gespürt. Das war nur deswegen möglich, dass die früheren landwirtschaftlichen Methoden mit moderner Technik ersetz wurden und damit einen grossen Menschenanzahl für die Industrie befreit wurden. Fabriken auf ihrer Seite haben alles dafür getan, dass sie ihre Produktivität erhöhen. Zuerst hat man den Arbeitskraft besser ausgebildet, dann mit Maschinen ersetzt (es passierte natürlich parallel). Das Dilemma – immer mehr Arbeiter und immer weniger Arbeitsplätze – wurde dadurch gelöst, dass Leute in den Dienstleistungssektor aufgenommen wurden, wo man die Arbeit nicht so schnell und leicht automatizieren kann. Nur kann dieser Sektor in Betrieb sein, wenn aus anderen Quellen genügend Vermögen hineinkommt, mit welchen die Dienste gekauft sein können. Diese Quelle bietet die wirtschaftliche Wachstum.

Die relative Sicherheit der Stelle ist beruhigend für die Bewölkerung. Solange man tätig sein darf und dafür ein Lohn bekommt, womit man für die Dienstleistungen bezahlen kann, ist alles in Ordnung. An der Oberfläche scheint es so, dass die Tykoons diejenige sind, welche die globale Wirtschaft immer nach vorne treiben, aber sie spielen nur eine Rolle in diesem Prozess. Der richtige Motor für diese Entwicklung sind wir, die Arbeitnehmer. Wir haben Ziele, welche wir mit Geld kaufen können und damit andere Arbeitnehmer an ihrer Stellen versichern. Wir haben Ansprüche, welche neuen Firmen, neuen Branchen Schwung geben. Wir haben Energie, welche wir für Produktivität einsetzen können.

Die meiste Arbeitnehmer beherrschen keine richtige berufliche Kenntisse, haben keinen Beruf, woraus sie ausserhalb dem heutigen Wirtschaftsystem leben könnten. Die Schumacher, die Müller, die Wagner, sogar die Automechaniker gehören der Vergangenheit. Die meiste Leute tun irgendetwas in ihrer Arbeitszeit, was Jedermann nach einer kurzen Ausbildung leisten könnte. Da man leicht ersetzbar ist (da man schnell eine neue Stelle finden kann), bietet eine Arbeitskraftreserve und nimmt die Zeit fürs Privatleben weg. Man ist in diesem System immer tätig: sei es die Arbeit (als Herrsteller) oder sei es die Ruhezeit (als Konsument).

Wachstum ist eine instabile Konstruktion. Weil sie nicht aus stabilen Elemente aufgebaut wurde, können ihre Seule wie Wachs schmelzen, wenn die Natur nicht mehr mitspielt – was mit Peakoil bald geschieht. Es wird keine Madame Tussaud geben, welche sie wieder aufbauen könnte.

16 Dezember

Werden wir hungrig?

Bis heute schien es so, dass ob die Geschichte des Hungers in der Westwelt ein Ende hat und in die Bücher, sowie in die verblassene Erinnerung der Grosseltern zurückgeschickt wurde. Dafür waren andere Länder davon schwer betroffen. Die Fernsehnahrichten der Siebziger und Achtziger haben die schockierenden Bilder der verhungerten afrikanischen Kinder in europäische und amerikanische Stuben gebracht. Das Live Aid Konzert von 1985 war einer der markantesten Höhepunkte dieser Narrative. Es hat gezeigt, dass die, seit dem Zweiten Weltkrieg praktisch ungestörten Wirtschaftsprung profitierenden abendländischen Menschen ihnen das Vergnügen kaufen konnten, anderen Völkern zu helfen, sich aber gleichzeitig auch zu amüsieren.

 

Dafür warnen die heutigen Nachrichten vor einer drastischen Erhöhung der Lebensmittelpreise wegen steigender Nachfrage. Der Milchmangel und die darauf folgende Teuerung dieser Produkte in den Herbstmonaten 2007 war kaum zu spüren, aber wurde als Warnsignal in den Kommentaren interpretiert. Er gilt als ein symbolischer Wendepunkt: Länder, welche in den goldenen Achtzigern wegen der Hungernot Unterstützung brauchten, treten heute auf den Weltmarkt als gierige Käufer. Es bedeutet aber noch lange nicht, dass die Anzahl der Verhungernden sinken würde, weil sie es sich leisten könnten, von tausenden Kilometern dorthin transportierte Lebensmittel zu kaufen. Im Gegenteil: wie im neusten IPCC-Report steht, Hunger wird immer mehr Leute betreffen. Die Weltlebensmittelproduktion wird aber von neuen mächtigen Spielern wie India und China, sowie wirtschaftich relativ stabilen afrikanischen Ländern geprägt. Das bedeutet eine grössere Nachfrage und steigende Preise für Esswaren, damit aber auch eine noch intensivere Landwirtschaft. Wenn man diese Perspektive mit dem Biotreibstoffboom zusammen betrachtet, scheint die Zukunft gar nicht beruhigend.

 

Eine Hungernot ist in Europa noch nicht vor der Schwelle, aber man muss beim täglichen Einkauf immer tiefer in sein Portemonnaie greifen. Es bleibt aber die Frage, ob der Altagsmensch auf diese Preiserhöhung nicht so reagiert, dass er seinen Verbrauch auch in anderen Gebieten temperiert und damit die Konsumerwirtschaft beeinflusst.
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